Pünktlich zum Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlichte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der UN ihren globalen Beschäftigungsbericht 2012. Der Bericht bestätigte, was im Ausland schon lange kritisiert und in deutschen Medien bisher vernachlässigt wurde: nämlich dass die dürftige Lohnentwicklung und der massive Niedriglohnsektor in Deutschland wesentliche Krisenfaktoren in Europa sind. Durch die im Vergleich zu den anderen Ländern moderaten Lohnabschlüsse in Deutschland sei „das Wachstum in diesen Volkswirtschaften unter Druck geraten“. Der dadurch entstandene Wettbewerbsvorteil für die deutsche Exportwirtschaft habe in diesen Ländern „nachteilige Folgen für die Tragfähigkeit der Finanzen“ gehabt. Auch die Arbeitsmarktkrisen in vielen Euro-Ländern, die mit einem rapiden Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu kämpfen haben, hängen mit der deutschen Niedriglohnpolitik zusammen, so die Autoren des „Global Employment Trends 2012“. Da Löhne insbesondere in den Verantwortungsbereich der Gewerkschaften fallen, die nun mal ein integraler Teil der Arbeitsbeziehungen und Lohnsetzungsprozesse sind, stellt sich die Frage, wie die deutschen Gewerkschaften diesen Bericht aufgenommen haben, sind sie, wenn man den Bericht ernst nimmt, doch implizit für die europäische Krisenverschärfung mitverantwortlich (siehe auch „M31: Ursprung und Dialektik der Revolte“). Um es vorwegzunehmen: die Reaktion des DGB grenzt an Propaganda, zumindest an einer Beugung der Realität.
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Samstag, 28. Januar 2012
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