Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::hook_event() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/functions_smarty.inc.php on line 553

Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::get_event_plugins() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/plugin_api.inc.php on line 1041

Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::hook_event() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/functions_smarty.inc.php on line 553

Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::get_event_plugins() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/plugin_api.inc.php on line 1041

Griechenland: Schmutziges Brot

Die kapitalistische Krise hat in Griechenland unter anderem dazu gefĂŒhrt, dass viele Firmen den ArbeiterInnen den Lohn fĂŒr Überstunden, Wochenendarbeit, Nachtarbeit oder gleich die kompletten BezĂŒge mit Verweis auf die „Krise“ monatelang vorenthalten oder gar nicht zahlen, wĂ€hrend die Regierung auf Druck der Troika versucht, das Lohnniveau um bis 40 Prozent abzusenken. Abfindungen bei Entlassungen werden gar nicht mehr freiwillig bezahlt, obwohl diese per Gesetz vorgeschrieben sind. Dagegen regt sich Widerstand in veieln Betrieben. Die anarchosyndikalistische ESE – ThessalonĂ­ki veröffentlichte Ende Mai eine Auswertung zum Arbeitskampf in der Konditorei-Kette «ble» in ThessalonĂ­ki, den wir nachfolgend als Beispiel dokumentieren.   

Schmutziges Brot

Die Konditorei-Kette «ble» ist inzwischen einer der bekanntesten Betriebe ThessalonĂ­kis. Bis vor ca. 2 Monaten war sie berĂŒhmt fĂŒr die außergewöhnlich gute QualitĂ€t ihres Brotes, aber auch fĂŒr ihre extrem teuren, luxuriösen und leckeren Kuchen, Torten und SĂŒĂŸigkeiten. Seitdem ist Th. RaftĂłpoulos, der Besitzer von «ble» auch bekannt fĂŒr die elenden Arbeitsbedingungen, unter denen die ArbeiterInnen in seinen insgesamt vier Filialen (aufgeteilt in zwei Aktiengesellschaften) beschĂ€ftigt sind.

Am 27. Februar 2012 berichtete ein Arbeiter auf dem ESE-Plenum ĂŒber die Arbeitsbedingungen in den Filialen von «ble». Er spricht ĂŒber unbezahlte Überstunden und Sonntagsarbeit, nicht existierende Pausen, Schichtdienst bis zum Umfallen und natĂŒrlich ĂŒber unregelmĂ€ĂŸig oder nicht bezahlte Löhne seit Mai 2011, also genau ab dem Zeitpunkt, an dem die Chefs - Vater und Sohn RaftĂłpoulos - ihre neue Riesenfiliale in der AgĂ­a-SofĂ­a-FußgĂ€ngerzone eröffneten. Seitdem (ĂŒber)leben die BeschĂ€ftigten unter einem Regime kollektiver Geiselhaft und der monatlichen Auszahlung von „Peanuts“ zwischen 50,- und 350,- Euro, sowie dem von FreundInnen und Verwandten geliehenen Geld.

Am 28. Februar wird dieser Arbeiter nach der erneuten Einforderung seines Lohns fristlos entlassen.

Am 1. MĂ€rz findet ein Treffen des Entlassenen, seinem Anwalt und vier Arbeitern von «ble» statt, um diese ĂŒber ihre Arbeitsrechte aufzuklĂ€ren. Gleichzeitig wird die Basisgewerkschaft der Bedienungen und Köche informiert.

Am 2. MĂ€rz beschließen die Arbeiter gerichtlich gegen ihren Boss vorzugehen, und bis zur Auszahlung der ausstehenden Löhne ihre Arbeit niederzulegen. Aufgrund von Terminproblemen schafft es der Gerichtsvollzieher nicht, das entsprechende gerichtliche Schreiben am gleichen Tag zu ĂŒberreichen und kĂŒndigt die Übergabe fĂŒr Montag, den 5. MĂ€rz an. Die drei BeschĂ€ftigten werden daraufhin am Samstag, den 3. MĂ€rz fristlos gefeuert. Eine Arbeiterin steht als Mutter unter dem besonderen Schutz des Arbeitsrechts und verbleibt am Arbeitsplatz. Sie entscheidet sich am 13. MĂ€rz Klage einzureichen. Am 14. MĂ€rz ĂŒbergibt der Gerichtsvollzieher das gerichtliche Schreiben. Schon am 15. MĂ€rz wird die erste Rate ihres ausstehenden Lohns ĂŒberwiesen, die zweite Rate fĂŒr den 4. April und die letzte fĂŒr 4. Mai zugesagt und ihr zusĂ€tzlich zwei Wochen Urlaub genehmigt.

Am 23. MĂ€rz fĂŒhren die 4 Entlassenen mit UnterstĂŒtzung der ESE und der Basisgewerkschaft der Bedienungen und Köche eine erste Kundgebung mit FlugblĂ€ttern an die Kundschaft vor der Niederlassung von «ble» in der EgnatĂ­a-Straße. Am 24. MĂ€rz Protestkundgebung vor der Filiale in der Agia-SofĂ­a-FußgĂ€ngerzone. Am 25.MĂ€rz (einem Sonntag) ruft der Chef RaftĂłpoulos die BeschĂ€ftigten aller vier Filialen zu einer Zusammenkunft und verlangt von ihnen eine ErklĂ€rung zu unterschreiben, in der sie die finanziell schwierige Lage des Unternehmens anerkennen, sich mit der Auszahlung von 50% des Lohnes einverstanden erklĂ€ren und damit, den Rest am Ende des Jahres zu erhalten. Gleichzeitig unterschreiben sie einen Text, der als ErklĂ€rung der „Wahren“ Angestellten von «ble»“ veröffentlicht werden soll, in welchem sie erklĂ€ren, normal bezahlt zu werden und dass die Protestierenden von „Àußeren KrĂ€ften“ oder einem „Konkurrenten“ gesteuert seien.

Am 26. MĂ€rz grĂŒndet sich ein SolidaritĂ€tskomitee fĂŒr die 4 Entlassenen. Zwei Tage spĂ€ter schließen sich 4 weitere ArbeiterInnen dem Kampf zur Auszahlung der Löhne an. Bei der nĂ€chsten Protestkundgebung am 30. MĂ€rz vor der Filiale in der FußgĂ€ngerzone wird diese von „TĂŒrstehern“ bewacht und abgeschirmt, die Filiale in der EgnatĂ­a-Straße von Innen abgeschlossen. Am 31. MĂ€rz sind es schon doppelt so viele „TĂŒrsteher“, die versuchen die Protestierenden einzuschĂŒchtern. Eine Protestdemonstration zieht am Abend vorbei.

Im freien Radio 1431am berichten die Entlassenen ĂŒber den Arbeitskampf. In ganz ThessalonĂ­ki werden Plakate und Wandzeitungen geklebt. Die ESE-ThessalonĂ­kis veröffentlicht eine SolidaritĂ€tserklĂ€rung. WĂ€hrend die Kundgebungen vor allen Filialen fortgesetzt werden, gibt sich RaftĂłpoulos unnachgiebig. Er verbietet der Buchhalterin den BeschĂ€ftigten Einsicht in ihre ArbeitsvertrĂ€ge zu gewĂ€hren, verschiebt den ersten Termin mit den Inspektoren der Arbeitsaufsicht und verweigert am 4. April die Auszahlung der zugesagten zweiten Rate des Lohnes der angestellten Mutter, die sich daraufhin wieder am Arbeitskampf beteiligt.

Am selben Tag gibt er eine PresserklĂ€rung heraus und gesteht „einige LohnrĂŒckstĂ€nde“ ein, macht dafĂŒr allerdings die ökonomische Krise verantwortlich. Am 9. April, nach zwei weiteren Protestkundgebungen und inzwischen deutlich weniger Kundschaft in den LĂ€den beantragt RaftĂłpoulos` Rechtsanwalt, den vier Entlassenen und einem ihrer EhemĂ€nner gerichtlich zu untersagen, sich den Filialen auf mehr als 300 Meter zu nĂ€hern. Bei Zuwiderhandlung – auch der unterstĂŒtzenden Organisationen - droht er mit 5000,- Euro Busgeld oder sechsmonatiger Haft. Der Antrag wird am folgenden Tag vom Gericht abgelehnt. Am 20. April klagt RaftĂłpoulos gegen die 4 Entlassenen und den Ehemann wegen Beleidigung und ĂŒbler Nachrede (auf Grund der Plakataktion). Da ein Schnellverfahren beantragt ist muss innerhalb von 48 Stunden entschieden werden. Nur dem schnellen Eingreifen der AnwĂ€ltin ist es zu verdanken, dass ein Festgenommener (einer der 4 Entlassenen) sofort wieder freigelassen wird.

Viele BĂŒrgerInnen ThessalonĂ­kis erklĂ€ren wĂ€hrend der folgenden Flugblattaktionen, dass sie ĂŒber den Arbeitskampf informiert sind, ihn unterstĂŒtzen und nicht mehr bei "ble" einkaufen wĂŒrden. Die „TĂŒrsteher“ von RaftĂłpoulos versuchen verzweifelt mit Spraydosen die Parolen an den WĂ€nden der Stadt zu ĂŒbermalen und Plakate unleserlich zu machen. Am 1. Mai bleiben alle vier Filialen aus Angst vor Streikaktionen geschlossen. Ein neues Plakat kĂŒndigt in der ersten Maiwoche organisierte StreikunterstĂŒtzung und fortgesetzte Kundgebungen in der Stadt an. RaftĂłpoulos scheint erstmals verhandlungsbereit und erklĂ€rt ĂŒber seine AnwĂ€lte die Bereitschaft alle Anklagen zurĂŒckzuziehen und einen Vergleich aushandeln zu wollen. Gleichzeitig verteilt er allerdings in seinen Filialen ein vierseitiges Pamphlet, in welchem er erneut die „Krise“ beschwört, „dunkle Propagandisten“ fĂŒr den Arbeitskampf verantwortlich macht und sich fragt, warum die Entlassenen einen „Bewegungskampf“ begonnen hĂ€tten, der seinen Ruf in der Stadt schĂ€dige, obwohl sie doch unter dem Schutz der Justiz stĂŒnden.

Am 11. Mai wird ein mĂŒndlicher Kompromiss zwischen den AnwĂ€lten beider Seiten geschlossen: Alle Klagen werden zurĂŒckgezogen, die Entlassenen (4 plus die Mutter) bekommen insgesamt 35.000 Euro ausgezahlt. Im am 15. Mai unterschriebenen Abkommen sind die nicht gezahlten Löhne, die Überstunden, die Sonntagsarbeit und die Abfindungen aufgefĂŒhrt. RaftĂłpoulos hatte sich bis dahin geweigert solche AnsprĂŒche ĂŒberhaupt anzuerkennen. Dies kann von großer Bedeutung fĂŒr vielleicht folgende ArbeitskĂ€mpfe bei «ble» sein. Die HĂ€lfte der 35.000 Euro wurden den Entlassenen in bar ausgezahlt, der Rest wird bis Ende des Jahres in zwei Raten gezahlt werden.

Fazit: Die teilweise ZahlungsunfĂ€higkeit RaftĂłpoulos`, aber noch mehr die Tatsache, dass die ĂŒbrigen Angestellten weiterhin unter den gleichen elenden Bedingungen bei «ble» arbeiten, erlauben es uns nicht von einem vollen Erfolg des Arbeitskampfes zu sprechen. Wir sehen das Ergebnis als eine Treppenstufe im Kampf gegen diesen speziellen Ausbeuter. Klar ist jedenfalls, dass der (Teil)erfolg ein Erfolg der Bewegung gegen einen Großunternehmer der Stadt insofern ist, dass es gelang starken Druck aufzubauen und zu halten, in einen Dialog mit der ĂŒbrigen Gesellschaft zu treten und so den Umsatz des Unternehmers von Tag zu Tag zu verringern. Gleichfalls sehen wir den selbstbestimmten Charakter dieses Arbeitskampfes ohne zwischengeschaltete Vermittler und die Tatsache dass die entlassenen ArbeiterInnen in unsere horizontalen BewegungsablĂ€ufe eingebunden werden konnten, und gleichzeitig immer selbst ĂŒber ihr Vorgehen entschieden, als Erfolg.


Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::hook_event() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/functions_smarty.inc.php on line 553

Strict Standards: Non-static method serendipity_plugin_api::get_event_plugins() should not be called statically in /www/htdocs/w00ba9da/krisenblog/include/plugin_api.inc.php on line 1041