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Ein Land ganz unten

In der Nacht des vergangenen Mittwoch war es in Athen wieder einmal zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Anlass für die spontanen Proteste gegen die Sparpolitik, die auch noch am Donnerstag anhielten, war der Selbstmord eines 77jährigen Rentners am Mittwochmorgen. Dieser hatte sich vor dem griechischen Parlament mit einem Kopfschuss das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief erklärte der ehemalige Apotheker, 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt zu haben und nun, infolge von Krise und Sparpolitik, nicht von der Rente leben zu können und erdrückende Schulden zu haben. „Ich sehe keine andere Lösung als ein würdiges Ende, bevor ich den Müll nach Lebensmitteln zu durchsuchen beginne“, heißt es in dem Schreiben. Für einige Demonstranten handelt es sich dabei keineswegs um einen „Freitod“, sondern um einen „vom Staat verübten Mord“ – um eine Folge der Krisenpolitik eben, die in diesen Tagen viele zu verzweifelten Schritten treibt.

Tatsächlich sind die sozialen Auswirkungen der Sparpolitik verheerend. Neben einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf mittlerweile über 20 Prozent, die insbesondere junge Menschen aus dem Land treibt, sind die Gehälter (siehe dieses Beispiel hier) und Renten dramatisch eingebrochen. Damit einhergehend haben Depressionen und Suizide sprunghaft zugenommen und findet ein gesundheitlicher Verfall statt. Bereits Ende 2011 gaben in einem analytischen Artikel mehrere Autoren um den Soziologen Alexander Kentikelenis von der Universität Cambridge einen Überblick über derartige Folgen der Krise in Griechenland:

Demnach wurden etwa den Krankenhäusern die Budgets um etwa 40 Prozent gekürzt, woraufhin diese Personal abgebaut und an der Ausstattung gespart haben. In den Gesundheitseinrichtungen seien exorbitante Wartezeiten Gang und Gäbe, weshalb viele trotz Krankheit auf den Arztbesuch verzichten. Und dies wiederum hat – weil viele keine Primärversorgung mehr beanspruchen – allein von 2009 bis 2010 zu einem Anstieg der Krankenhauseinweisungen um fast 25 Prozent geführt. Eine fatale Spirale.

Nicht nur seien, dem Artikel zufolge, die Zahl der Morde und Diebstähle rasant gestiegen, auch die Zunahme der HIV-Neuinfektionen sei bedenklich, was u.a. im Zusammenhang mit der Zunahme von Prostitution stehen könnte, während gleichzeitig bei den staatlichen Streetworker-Programmem massiv eingespart wurde. Auch soll es Berichte geben, wonach sich Heroinabhängige absichtlich mit HIV infiziert haben, um Anspruch auf staatliche Unterstützung und Zugang zu Programmen zu bekommen.

ErschĂĽtternd ist vor allem der Anstieg bei der Suizidrate. Vor der Krise wies Griechenland ein relativ niedriges Aufkommen an Selbstmorden auf. Doch bereits 2009 nahmen sich 17 Prozent mehr Menschen das Leben als noch 2007, im Jahr darauf stieg die Suizidrate nochmals um 25 Prozent. In den letzten beiden Jahren war sie gar um 40 Prozent gestiegen.

Hintergrund dieser Entwicklung ist eine beispiellose Verarmung breiter Bevölkerungsteile. So ist im vergangenen Jahr die Zahl der Obdachlosen um 20 Prozent angestiegen – viel von ihnen kommen aus der Mittelschicht (siehe dazu hier, hier und hier). Flankiert wird dies von einem rasanten Anstieg der Lebenshaltungskosten, die mittlerweile bis zu 30 Prozent höher liegen als in Deutschland. Dabei treiben selbst deutsche Discounter wie Lidl ihre Preise hoch; z.T. um das Doppelte wie in Deutschland. Für viele Griechen werden damit Lebensmittelpreise unerschwinglich. Allein die kirchliche Armenhilfe gibt täglich 250.000 Mahlzeiten an Bedürftige aus.

Die Bevölkerung reagiert, wo es geht, mit gegenseitiger Hilfe und Selbsthilfe: Davon zeugt etwa, dass immer mehr Menschen versuchen, sich ihre Lebensmittel selbst anzubauen, ebenso wie Zunahme von Tauschringen oder des Direkthandels, wie es z.B. in der „Kartoffel-Bewegung“ zum Ausdruck kommt. Und das wirkt sich wieder auf den Einzelhandel aus, dessen Produkte immer weniger gefragt, weil nicht erschwinglich sind. Die Folge sind - logischerweise - weitere Konjunktureinbrüche.

„Eine Entspannung der Lage ist trotz internationaler Finanzhilfen nicht in Sicht“, schreibt der Spiegel und verkennt damit wieder mal das Offensichtliche, als ob er noch nie etwas von Kreisläufen, von Angebot und Nachfrage, gehört hätte. Denn das Problem besteht nicht „trotz“ dieser Hilfen, sondern gerade wegen dieser und der damit verbundenen Sparauflagen. Wer nichts in der Tasche hat, kann eben auch nichts ausgeben. Der Spiegel weiter: „Bis Ende 2012 wird die Wirtschaft insgesamt rund ein Fünftel ihrer Leistung verloren haben“.

Die griechische Notenbank prognostiziert, dass auch 2013 die Wirtschaft weiter schrumpfen wird. Erst 2014 könnte es demnach wieder leicht aufwärts gehen. Das mag auch sein. Denn ist die Wirtschaftsleistung erst einmal auf ein Minimum gesunken, wird jegliche Erholung zum Wachstum umgedeutet. Schon jetzt kann man sich ausmalen, wie eine etwaige Konjunktur als Erfolg des Sanierungsprogramms gefeiert wird. Wenn dann auch noch die Suizidraten wieder sinken, ist die Botschaft perfekt: Dann hat man den Griechen nicht nur eine gedeihende Wirtschaft, sondern auch noch ein besseres Leben beschert.


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