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Boulevard auf dem Laufsteg

Seit Sendebeginn 1992 gilt der deutsch-französische "Kulturkanal" ARTE als Spartenbetrieb fĂŒr weltoffene LeistungstrĂ€ger, kurz: das liberale BildungsbĂŒrgertum. Ein Filmbeitrag in der Sendung "ARTE Reportage" ĂŒber die Wirtschaftskrise in Spanien lĂ€sst ahnen, dass da vielleicht nur Boulevard-Berichterstattung auf den Laufsteg erhoben wurde: Mit dem neuerlichen Griechenland-Rettungspaket habe man, so heißt es ganz richtig in der Anmoderation, das Problem nicht gelöst, "aber man [hat] sich damit ein wenig Zeit erkauft, und Ruhe". Die droht nun jedoch ein anderer Brennpunkt zu stören: wir blicken auf das spanische Valencia. Die Stadt und Region steht wohl kurz vor dem Bankrott. Vergangene Woche gab es eine SchĂŒlerInnen-Demo fĂŒr geheizte Klassenzimmer, die von der Polizei angegriffen wurde - mit dem Stuttgart21-Effekt schafften es die Proteste bis in die hiesigen Nachrichten. Die Fakten, die das ARTE-Team zusammengetragen hat, schockieren. Nicht weniger schockierend allerdings auch die gar nicht so linksliberalen Kommentare "zwischen den Zeilen". Die stehen der herausgekehrten, weil populĂ€ren Klage der Moderatorin, dass jetzt "mal wieder die kleinen Leute fĂŒr den GrĂ¶ĂŸenwahn der fetten Jahre bezahlen" sollen, in ihrer Duldsamkeit vollkommen entgegen. Der Film (14 Min.), von zwei deutschen Redakteuren realisiert, steht noch einige Tage online.

Ironisch, aber voller Sympathie der Einstieg: FĂŒr die "Graswurzelrevoluzzer" ist es heiliger und "bitterer Ernst", denn es geht "gegen SparzwĂ€nge und Korruption". Eine breite Koalition abseits der politischen Parteien scheint sich zu formieren, zumindest wird das möglich. Da ist es gut, wenn man weiß, wo das Geld versickert ist: "zu viel Geld wird fĂŒr die Formel 1 verwendet", da scheinen sich viele einig. WĂ€hrenddessen fehlt es in den Schulen am nötigsten Geld fĂŒr Strom und Internet, fĂŒr Heizung und Reinigung, BĂŒcher und Kantinenessen. Der Sprecher wird deutlich: "schuld an der Misere sind u.a. nutzlose Großprojekte" wie der ungenutzte Flughafen, die "betongewordene Inkarnation maßloser Geldverschwendung". Auch der betrĂŒgerische Konkurs von Firmen und monatelange LohnrĂŒckstĂ€nde sind "kein Einzelfall". Eine Ă€ltere Arbeiterin weiß, "Schuld an allem ist die Politik". Und: "jetzt ist Schluss mit dem Bauboom, und wer bezahlt das alles?"

Bis jetzt haben wir auch schon eine Menge gelernt: Bei 5,5 Millionen EinwohnerInnen hat die Region Valencia (einem Bundesland vergleichbar) offiziell 21 Milliarden Euro Schulden. Klingt dramatisch. [Der Taschenrechner gibt Auskunft: das sind gut 3.800 Euro pro Kopf. Laut Bund der Steuerzahler liegt die bundesdeutsche Verschuldung - heute geringfĂŒgig niedriger als am 31.12.2010 - bei insgesamt (Bund, LĂ€nder, Kommunen) 24.900 Euro pro Kopf; 30% davon entfallen auf die BundeslĂ€nder, das sind 8.300 pro Kopf. Wenn das kein Vergleich ist, dann liegt das bestimmt an der hiesigen 'wirtschaftlichen WettbewerbsfĂ€higkeit'.] Außerdem war zu erfahren, dass der gesetzliche Mindestlohn in Spanien bei mickrigen 650 Euro liegt - wie viele dafĂŒr wohl rabotten und malochen gehen? Wenn sie noch dĂŒrfen!

Es gibt, so der Sprecher, viele "Opfer der Arbeitslosigkeit und fehlender Sozialleistungen". TĂ€glich, so erfahren wir, werden 70 Wohnungen zwangsweise gerĂ€umt. Die Krise in Spanien ist auch eine Immobilienkrise. Die um sich greifende Arbeitslosigkeit birgt existenzielle Risiken, z.B. fĂŒr ein Paar aus der Werbebranche: "die Bankiers haben die beiden einfach vor die TĂŒr setzen lassen", sie brachen sogar in die Wohnung ein. Dies fĂŒhrt uns in eine der zahlreichen von Vereinen organisierten SuppenkĂŒchen, in einer werden 400 Mahlzeiten tĂ€glich ausgegeben - doppelt so viele wie vor dem Einsetzen der Krise im Jahr 2008. Sympathisierend sehen die Filmemacher auch die private SolidaritĂ€t von BĂŒrgern mit Obdachlosen: "solange ich Geld habe und etwas zu essen, dann kann ich es doch mit ihnen teilen". Das geht ans Herz, und das ist auch gut so.

Doch richtig weh tut's am Portemonnaie, umso mehr wenn man nicht den 'richtigen Pass' in der Tasche trĂ€gt. "Wie so oft," erklĂ€rt der Sprecher, "haben die Migranten als erste unter der Krise zu leiden". Wir sind zu Besuch bei einem Orangenbauer. Der meint zwar, "mein Betrieb kann gerade so noch ĂŒberleben" mit den 2,40 Euro, fĂŒr die er eine 20-Kilo-Kiste Orangen verkauft. Aber nĂŒchtern betrachtet, befindet er sich zugleich in einer Kreditklemme (Banken) und in einer Preisfalle (SupermĂ€rkte). SpĂ€ter heißt es, dass der Verkaufspreis nur 50% der Produktionskosten abdecke: "es bleibt ein Zuschussbetrieb", so der Sprecher. An den ArbeitskrĂ€ften kann es jedenfalls nicht liegen: 30 Euro bekommt man als pakistanischer Arbeiter am Tag. Dem Bauern schwant derweil Böses: "die Felder fallen brach, auch der Bausektor liegt brach und das ganze Land ist verloren".

Diese Ratlosigkeit ist es wohl auch, welche die Filmemacher dazu verleitete, von Anfang an solche WorthĂŒlsen einzustreuen wie die MĂ€r, die Leute hĂ€tten "völlig ĂŒber ihre VerhĂ€ltnisse gelebt". Mehrmals kommt in dem Film zur Sprache - durchaus aber auch durch interviewte EinwohnerInnen -, dass Spanien am selben Problem kranke wie Griechenland. Und dass die Politik mit den selben ArzneiflĂ€schchen hantiert wie am anderen Ende des Mittelmeers. Und dass mehrmalige, aber befristete "Generalstreiks" - was besser als 'Aktionstag' zu begreifen ist - nicht helfen, im Kampf gegen die Sparpolitik. Die Betroffenen werden deutlich: "wir haben hier auch Angst". Und das PĂ€rchen: "nicht mehr lange, dann ist es in Spanien so wie in Griechenland". Der Sprecher ergĂ€nzt: "verschuldet bleiben sie wohl bis ans Ende ihrer Tage".

Ist es Zufall, dass dies anmutet wie eines jener tragischen MĂ€rchen, die die GebrĂŒder Grimm in der Romantik sammelten? Und dass dieses GewĂ€chs des 19. Jahrhunderts den Bezug auf nicht minder tragische Epen der Antike verstellt? Auf den regelmĂ€ĂŸigen, aber immer wieder hart umĂ€mpften Schuldenschnitt, die tabula rasa, von der Michael Hudson in der FAZ berichtet. Auf die real verĂ€nderbaren KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in einer Gesellschaft, deren Überlieferung Isabell Lorey in "Figuren des Immunen" (eine Besprechung hier) neu aufrollt. Ganz wollen die Filmemacher auf die Rolle der warnenden Kassandra nicht verzichten, wenn sie am Ende mahnen: "noch sind die UnmutsĂ€ußerungen nicht virulent, aber ĂŒberall in Valencia brodelt es, und das nicht nur in den Schulen". (So nutzen Eltern den Gang zur Schule mit einem selbstgemalten Transparent "Keine weiteren Einsparungen!" fĂŒr eine allmorgendliche Demonstration.) Viel stĂ€rker jedoch scheint dieses, gelinde gesagt, seltsame VerstĂ€ndnis von WĂŒrde den Filmbeitrag geprĂ€gt zu haben: Die Lage ist bitter, so der Sprecher, "Armut statt Arbeit. Dennoch scheinen sich die Spanier ihre WĂŒrde zu wahren, die Menschen hier leiden ohne zu klagen." Schade eigentlich.

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