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Wachstumsdebatte: Nicht ganz wie Oder und Neiße

Die Krise bringt einiges in Bewegung, nicht nur Menschen und Börsenkurse, sondern auch Theorien. So ist etwa der Neoliberalismus und sein Gerede von der "Unsichtbaren Hand des Marktes" längst von der realen Wirtschaftspolitik überholt - und zwar gerade auf Drängen jener Profiteure, die zuvor die Heilige Dreifaltigkeit aus Marktwirtschaft Sozialabbau Privatisierung predigten. Das heißt natürlich nicht, dass damit auch alle Versatzstücke der neoliberalen Ideologie - Flexibilität, Kündigungsschutzabbau, Lohnkostensenkung, Balance aus Angebot & Nachfrage - auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet wären; vielmehr feiern die fröhliche Urstände. Aber immerhin denkt nun eine wachsende Minderheit (auch im akademischen Bereich) darüber nach, welche Grundannahmen der Wirtschaftswissenschaft zu hinterfragen sind, um die eigenen Modelle der Wirklichkeit näher zu bringen. Zu diesen Überlegungen gehört die Hinterfragung des Wachstums und des Bruttoinlandsprodukts als zentraler Maßstab für Entwicklung und Wohlstand. Gestern gab es dazu an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) eine international besetzte Podiumsdiskussion: Dr. Niko Paech (Oldenburg), Prof. Dominique Bourg (Lausanne) und, als Moderatorin, Autorin Petra Pinzler (Berlin) unterhielten sich über "Wachstum und/oder Wohlstand?". Leider zeigte sich hier, dass unterschiedlich motivierte Überlegungen nicht nur zusammenfließen können wie Oder und Neiße, sondern dass sie auch an unterschiedlichen Stellen münden.

Einig ist man sich noch darin, dass McKinsey-Vertreter nicht mehr auf der Höhe der Zeit sind, wenn sie beim Weltwirtschaftsforum in Davos davon sprechen, dass Wachstum - eine im übrigen rein relative Größe - notwendig und wünschenswert sei. Leider ging Dr. Paech nicht näher darauf ein, warum der Wachstumsdruck "ökonomisch nicht zu erklären" sei. Vielmehr präsentierte er soziologische Ansätze des Steigerungsprinzips und des sozialen Anpassungsdrucks. Eine ähnliche, wenig wirtschaftspolitische Argumentation brachte Prof. Bourg vor: Wissenschaft sei auch nur eine Art zu Denken, in der Modell und Wirklichkeit nicht deckungsgleich sind. Erst im 20. Jahrhundert habe der Kapitalismus das abgelöst, was der französische Philosoph André Gorz die Norm des Ausreichenden (la norme du suffisant) nannte. Das Problem nun bestehe darin, dass im globalen (Öko-)System die verfügbare Energie beschränkt sei - daher müsse auch die Nachfrage bzw. Produktion beschränkt werden.

Hier kommen wir zum Punkt: Die vorgetragene Wachstumskritik fußt einzig und allein auf Überlegungen der Ökologie und Nachhaltigkeit. Dabei stellte Dr. Paech heraus: Grünes Wachstum, auch Green New Deal genannt, sei "Blödsinn" und auch von der Enquete-Kommission sei nicht viel zu erwarten. Zumindest in den Industriestaaten - Armutszonen wie Burkina Faso oder Malawi nahm er ausdrücklich aus - gehe es heute und in Zukunft einzig und allein um Reduktion. Dabei hieße Reduktion nicht Verzicht, sondern Befreiung. Komisch nur, dass in der Debatte kein einziges Mal zur Sprache kam, dass eine wachsende Ökonomie auch wachsende Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft bedeute. Der Dreh- und Angelpunkt war und blieb der Menschheit äußerlich: die Umwelt. Reduktion als Befreiung zu verkaufen, erinnert doch stark an die Alternativ- und Hippie-Argumentation, die nun auch schon in die Jahre gekommen ist. Die hat damals schon nicht funktioniert: eine 20-Stunden-Woche, wie von Dr. Paech im Rahmen einer dualen Wirtschaft aus reduzierter Industrie und urbaner Subsistenz vorgeschlagen, gerne! Aber bei halbem Lohn? Wer heute schon 50 Stunden arbeitet und mit nur 1.000 Euro rausgeht, der wird diesen Ansatz ganz gewiss und ohne weiteres unterstützen. (Eben das Gegenteil war ja in den vergangenen Jahrzehnten das zugkräftigtste Argument für das Wachstum: Indem der Kuchen größer wird, schafft es Raum für eine relative einmütige Umverteilung, ohne dass man darum kämpfen müsste - das ist gemütlicher und weniger risikoreich für die Beschäftigten, Gewerkschaften, Bosse und Politiker.)

Wenn die Veranstaltung auch insgesamt unbefriedigend war, so zeigte sich doch ein lebendiger und an Dynamik gewinnender Diskurs, der auf der Basis von, aber hinreichend respektlos vor hergebrachten Vorstellungen versucht, die drängenden, sich abzeichnenden Probleme auf globaler Ebene in den Griff zu bekommen. (Der moderne Fortschrittsglaube schwingt da unübersehbar mit. Ebenso zeichnet sich eine Weltgesellschaft ab.) Etwas mehr Tiefgang, dafür weniger Entertainment, hätte man dem interessierten Publikum sicher zumuten können. Das letzte Wort aber ist noch lange nicht gesprochen. Fragend gehen wir voran, wie es aus dem mexikanischen Urwalt heißt.


Update: Interview des DLF mit Nico Paech Anfang 2011, "Mehr Wohlstand bedeutet nicht mehr Glück".

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erinnert mich an eine spannende Argumentationskette von Zygmunt Bauman, einem bekannten Soziologen. Kurz gefasst läuft diese so:
Ungleichheit der Verteilung führt zu Konflikten (wie schon Marx beschrieb), bisher wurde der Konflikt befriedet indem die Produktion (und daraus folgend die Konsumption) erhöhte wurde. Bauman vertritt nun ebenfalls, die These, dass dies aufgrund von Umweltfaktoren (Peak Oil etc.) an seine Grenzen stöße.
Das hieße: Der Konflikt lässt sich nicht länger befrieden. Der Antagonismus in der Gesellschaft würde offen ausgetragen werden.
Hier finde wird den Menschen schon eine etwas tragendere Rolle zugewiesen, und auf jeden Fall leben wir in interessanten Zeiten...
#1 tuli - yaab.noblogs.org am 08.02.2012 11:48 (Antwort)
klasse blog,genau das was ich gesucht habe. es müssten nur öfters etwas kommen, mehr infos und hinweise
#2 the hoff am 08.02.2012 16:45 (Antwort)

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